SOULRUNHIKER

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Barefoot Jesko

Samstag, 12. März 2016

Tussock Traverse 2016 (Neuseeland)

Was ein Zufall! In unserem Neuseeland Urlaub bzw Elternzeit, waren wir gerade im Tongariro Nationalpark auf der Nordinsel. Just an diesem Wochenende als wir mit unserem Camper dort ankamen sollte am folgenden Tag die Tussock Travers stattfinden. Ein sehr schöner aber auch anspruchsvoller Berglauf. Da wir ja schon mal da waren entschied ich mich an dem Lauf teilzunehmen. Noch in Deutschland hatte ich von dem Event gelesen, wollte mich aber nicht Anmelden da ich ja nicht wusste ob wir das schaffen würden. Aber aus irgendeinem Grund sollte es ja nun doch klappen.


Man konnte aus drei Distanzen wählen, 6,5Km, 13Km oder 26Km, entweder Walken oder Laufen. Natürlich wollte ich Laufen und gleich die 26Km in Angriff nehmen. Meine liebe Cora plädierte aber darauf das ich lieber die 13Km laufen sollte da wir am darauffolgenden Tag das Tongariro Alpine Crossing machen wollten. Ein 21 Km langer Alpiner Wanderweg quer durch das Tongariro Massiv. Da ich nicht wollte die Alpine Wanderung mit Muskelkater zu machen, und ich ja auch keine Ahnung hatte wie schwer der Lauf wirklich sein würde, entschied ich mich vernünftigerweise für die 13 Kilometer Distanz mit 428Hm.
Ich war echt aufgeregt und suchte eifrig mein mitgenommenes Laufzeug zusammen. Leider hatte ich keinen Laufrucksack dabei um das erforderliche Equipment mitzunehmen. Eine Regenjacke, ein Longsleeve, und 1 liter Wasser. Ein Glück konnte ich dem Staff davon überzeugen das ich ein geübter Läufer bin und mit einem halben liter Wasser auskommen würde. Zudem konnte ich dann den Longsleeve in meine Regenjacke einwickeln und diese einfach um mich rum binden. Also meine 0,5 liter Handflasche und die gewickelte Regenjacke mit Longsleeve Inhalt eingepackt. Dann habe ich die Nacht im Camper gut geschlafen, voller Erwartung auf den morgigen Lauftag.
Am morgen war schon auf dem Campingplatz ein eifriges treiben. Viele Läufer waren da und machten sich Startklar für den Lauf.
Angekommen am Chateau Tongariro, nur 10 Minuten vom Campingplatz entfernt, gingen schon die 26Km Läufer an den Start.
Kurzer Check des Equipment und dann war auch schon das Briefing für uns, die 13Km Läufer. Ein älterer Maori, der wohl dort eine Legende ist, begrüßte die Läufer auf Maori art. Coole Sache!


Dann ging es für uns an den Start.
Maori echt wurde der Startschuss gegeben, nämlich mit einer Muschel. Das tiefe sonore Klingen der Muschel entließ uns 13Km Läufer zu beginn in den Taranaki Track.



Es ging durch Wüstenähnliches Terrain, hier und da mit Tussock Gras bewachsen. Stetig leicht Bergauf schlängelte sich der Weg durch eine Filmreife Kulisse. Kein Wunder das dort einige Szenen von der "Herr der Ringe" gedreht wurden.



Steilste Anstiege wechselten mit leichten Bergab Passagen ab. Es wurde zunehmend Alpiner. Die Regenjacke samt Inhalt hatte ich mir anfangs noch um die Hüfte gebunden. Da sie sich aber immer wieder lockerte, beschloss ich sie mir quer über zu hängen. Das ging auch, und war auch ein wenig angenehmer. Bei jedem Streckenposten hielt ich an bedankte mich ganz Herzlich und machte ein Erinnerungsfoto. Halt so wie immer. Grins!


Die meisten der ganz steilen Anstiege ging ich hoch, da ich ja nicht wusste was noch auf mich zukommen würde. Da tat ich auch ganz gut dran denn kurz vor dem Wendepunkt bei Km 6,5 wurde es noch mal richtig steil. Eigentlich waren fast die gesamten 428Hm auf den ersten 6,5 verteilt denn zurück ging es ja meist nur Bergab.


Ich bemerkte das die Regenjacke keinen Inhalt mehr hatte. Mmmmhhhh Mist!! Da hab ich doch jetzt echt den Longsleeve verloren.
Naja auf dem Rückweg werde ich ihn bestimmt irgendwo finden dachte ich und holte einen Läufer nach dem anderen ein.
Das waren wohl alles Läufer, die sich auf der ersten Hälfte des Rennens schon ausgepowert hatten. Also mit anderen Worten haben sie sich den Lauf falsch eingeteilt. Also war es Goldrichtig die meisten Anstiege zu gehen und nur geradeaus und Bergab zu Laufen. Ich holte immer mehr Läufer ein, die aussahen wie echte Sportler, nicht so wie ich. Viele staunten darüber das ich in meinen Luna Sandals unterwegs war.
Die meisten konnten es wie so oft nicht glauben das man mit den Dingern Laufen kann.
Die TOP aussehenden schlanken gut durchtrainierten Läufer und Läuferinnen wohl auch am wenigsten. Da kommt so ein Typ in Sandalen der nicht gerade besonders Sportlich aussieht und sammelt einen Läufer nach dem anderen ein. Ich erntete einige ungläubige Blicke was mich natürlich sehr amüsierte. Dann ging es plötzlich nicht mehr auf dem alten Weg zurück sondern in eine Abbiegung.
Leider hatte ich bis dato meinen Longsleeve immer noch nicht wieder gefunden. Ein Glück haben die netten Streckenposten Damen mit denen ich ein Foto machte ihn gefunden. Er lag dort und ich sagte das dieser mir gehöre. Puuuhhh noch mal Glück gehabt!!
Dann ging es steilst Bergab in Richtung der Taranaki Falls.



Noch immer überholte ich einige Läufer was mir mittlerweile echt Spaß machte. Viele hatten mich auf dem Hinweg an den Bergpassagen überholt, jetzt wusste ich das mein Plan, in Bezug auf die Renneinteilung, voll aufgegangen war. Ich genoss den Lauf jetzt in vollen Zügen! Jetzt war ich auch richtig eingelaufen, dies dauert ja bei mir immer so 6-9Km, je nach Tagesverfassung und Strecke.
Ich bin überwältigt von der Gigantischen Kulisse in der ich mich gerade Lauftechnisch bewege. Ich bin am anderen Ende der Welt in einem Wunderschönen Land und laufe gerade in einem Film in dem ich für mich gerade der Hauptdarsteller bin. Alles wirkt so leicht und ich fühle mich unendlich frei! So weit weg von zu Hause fröne ich einem der schönsten Hobbys die man haben kann. LAUFEN!!
Es sind diese Momente die einem am Leben halten und die einem so unendlich wertvoll vorkommen, das man sie am liebsten einfrieren und einpacken will. In diesen Momenten ist man frei im Körper und Geist! Was gibt es schöneres!?


An den wunderschönen Taranaki Falls vorbei führte der Weg weiter in einen Wunderschönen Alpinen Buchenwald. Wirklich sehr sehr schön!! Über Wurzeln und Steine ging es im flotten Tempo dem Chateau Tongariro und damit dem Zeil entgegen. Ich fühlte mich wirklich gut und es lief prima! Im Endorphin Rausch saugte ich die Stimmung, und die Umgebung mit unglaublichen Blick auf die Berge auf. Ich flog dann Richtung Ziel machte hier und da noch ein paar Fotos und überquerte überglücklich die Ziellinie.



Natürlich nicht ohne mir vorher noch einen Kuss bei meiner liebsten abzuholen.


Natürlich krönte ich den Lauf mit meinem Legendärem Glocken Sprung. Danke für die tollen Fotos von photos4sale.nz



Danach gab es erstmal eine Bratwurst und einige Beef Jerkeys. Dann ging es ab in die Icebug Eistonne! Ui Ui Ui Ui das war mal echt super kalt!! Ob das mir und meinem Körper was brachte kann ich jetzt nicht genau sagen.


Jedenfalls war es ein super schöner Lauf im fremden Land! Ich freute mich sehr darüber in Neuseeland doch noch mal einen Offiziellen Lauf teilgenommen zu haben. Eine tolle Erfahrung!!
Nach dem Lauf ruhten wir uns noch ein wenig auf der Wiese mit anderen Läufern aus bevor es zurück zum Campingplatz ging.


Anschließend Wanderten wir noch zusammen ein Stück die Strecke entlang denn das Wetter war super schön. Da hatten Veranstalter echt Glück gehabt. Denn es kam schon öfters vor das im Sonnenschein gestartet wurde und oben Schnee fiel. Also echt Glück gehabt!
Das Tongariro Crossing war dann am nächsten Tag auch ohne Muskelkater machbar. Einfach ein tolles Erlebnis!!

Bis zum nächsten Lauf Bericht aus Neuseeland. Denn da wurde es richtig steil, auf der steilsten Straße der Welt!!

Euer soulrunhiker

Barefoot Jesko